1988

So fing alles an

Es war 1988. Auf einer Fahrt mit der Wendelsteinbahn sah ich unterhalb von uns einen Wahnsinnigen mit einem Fahrrad, der sich den Berg hinauf quälte. Ich machte meine Frau darauf aufmerksam. Wir waren uns einig "der spinnt".

Das Ganze ließ mirTeam Marin aber keine Ruhe und so machte ich einige Zeit später den Versuch mit meinem 5 Gang Hercules Tourenrad den Samerberg zu erklimmen. Spätestens als mich beim Schieben 2 Radlfahrer überholten merkte ich das entweder mit meiner Kondition oder mit meinem Fahrrad etwas nicht in Ordnung war. Andererseits war mir eigentlich klar, kein normaler Mensch fährt mit dem Rad freiwillig den Berg hinauf.

Mein Freund der Fischer Ron klärte mich dann auf das es spezielle Räder, sogenannte "Mountainbikes" gibt, welche extra Übersetzungen (damals 21 Gänge) für den Berg haben. Hinsichtlich meiner Kondition war ich jetzt wieder beruhigt, da ja alles nur am Material lag.

Einige Wochen später überzeugte mich Ron eine "leichte" Tour aufs Kranzhorn mitzumachen. Da er mir ein Mountainbike, also optimales Material besorgt hatte, konnte alles nicht so schlimm werden. Also, am Berg den kleinsten Gang rein (geht ja schön leicht) und gestrampelt was die Lunge hergibt. 500 Meter weiter mit einer Pulsfrequenz jenseits von Gut und Böse war für mich klar, das war die erste und letzte Mountainbiketour meines Lebens. Irgendwie hab ich dann Stunden später, größtenteils schiebend und ständig fluchend die Kranzhornhütte erreicht.Bull Frog Trail

Nach wochenlanger Fahrradverweigerung hatte mein Gehirn dann wohl irgendwie den Schmerz vergessen. Typisch menschliche Eigenschaft, man merkt sich nur das Schöne (ähh, was war da schön?). Also hat mich der Ron wieder weichgekocht für eine Tour nach Steinkirchen. Da ich ja net ganz deppert bin, hab ich mein Tempo extrem gedrosselt und alle paar Meter eine Naturschönheit entdeckt wegen der ich unbedingt vom Rad steigen mußte. Die so "unauffällig" erzwungen Pausen haben mich dann auch einigermaßen lebend nach Steinkirchen gebracht, wo ich dann erstmals das geile Gefühl der Bergradl-Gipfelbezwingung (keine 350 Höhenmeter und ca. 4 Kilometer) fühlen konnte.

Irgendwie ist aber der Muskel- und Lungenschmerz nach der Abfahrt immer ziemlich schnell vergessen, nur das Erfolgserlebnis es geschafft zu haben bleibt. So wurden die Touren auf Leih-Bergrädern immer häufiger und länger. Bis zum ersten eigenen Mountainbike dauerte es aber immer noch bis 1993. Wenn dann gscheid hab ich mir damals gedacht und gleich 3500,- Mark für mein Radl aufn Tisch gelegt, was damals Referenzklasse war.
Der nächste Schock kam postwendend. Meine Frau begann Mountainbike zu fahren, was ja an und für sich super ist. Aber das sie auf Anhieb schneller als ich den Berg raufkam war dann doch zuviel. Dieser Zustand hielt dann auch noch ca. 3 Jahre an. Heute ist die Mountainbikewelt aber endgültig in Ordnung. Das Bike ist nicht mehr wegzudenken. Seit der ersten Alpenüberquerung weiß ich was wirkliche Freiheit ist. Wenn der Partner auch noch das gleiche Hobby hat, dann ist die Welt wirklich in Ordnung.

Frohes Bergradln
Klaus

Travenanzes